''Bauernland muss in Bauernhand bleiben!''
Foto © Freiheitliche Bauernschaft

''Bauernland muss in Bauernhand bleiben!''

Interview mit Kammerrat Roman Linder


Roman Linder lebt in der Gegendtaler Gemeinde Afritz am See und betreibt dort mit seiner Familie eine Land- und Gastwirtschaft. Der junge Familienvater ist als Kammerrat in der Landwirtschaftskammer Kärnten tätig und setzt sich dort mit der Fraktion der Freiheitlichen und Unabhängigen Bauernschaft für die Anliegen des heimischen Bauernstandes ein. Als Obmann des Ausschusses für Steuern, Recht und Soziales kämpft er unter anderem für eine rasche Änderung des Grundverkehrsgesetzes, um den Ausverkauf landwirtschaftlicher Flächen im großen Stil an Spekulanten und Investoren einzudämmen. Die Kärntner Nachrichten haben den jungen Landwirt und Agrarpolitiker anlässlich des Weltbauerntages am 1. Juni zum Interview gebeten.

KN: Herr Linder, seit vielen Jahren ist die Spekulation mit großen Grundstücksflächen schon ein brennendes Thema, das Politik und Landsleute bewegt. Hektarweise werden vor allem landwirtschaftliche Nutzflächen an – sehr oft ausländische – Spekulanten und Investoren verkauft. Diese erhoffen sich über die Jahre große Gewinne durch Immobilienprojekte. Wie stehen Sie und Ihre Fraktion in der Landwirtschaftskammer zu diesem Thema?

Roman Linder: Unser Vizepräsident Manfred Muhr und unsere Fraktion der Freiheitlichen und Unabhängigen Bauernschaft kämpfen schon lange für mehr Gerechtigkeit in dieser Sache. Es kann einfach nicht sein, dass riesige Areale landwirtschaftlicher Produktionsflächen von Spekulanten aufgekauft werden. Daher haben wir jetzt bereits zweimal einen Antrag auf Änderung des Kärntner Grundverkehrsgesetzes in der Landwirtschaftskammer eingebracht. Auch im Landtag gab es von der FPÖ schon einen diesbezüglichen Antrag, der dort von der SPÖ im zuständigen Ausschuss niedergestimmt wurde.

KN: Aber wie sollen unsere heimischen Landwirte bei dieser Größenordnung der Grundstücksflächen überhaupt mitbieten können, geschweige denn bei der Finanzstärke der meist internationalen Spekulanten und Investoren mithalten?

Roman Linder: Genau das ist ein Punkt, der klar geregelt werden muss. Es muss ein Vorkaufsrecht für echte Bauern geben, die von der Landwirtschaft leben. Auch wenn diese sich nur für kleine Teilflächen interessieren. Was absolut nicht geht ist, dass Investoren und Spekulanten über Gesellschaften - die den landwirtschaftlichen Zweck nur zum Schein niedergeschrieben haben - hektarweise wertvollen Ackerboden aufkaufen. Bauernland muss in Bauernhand bleiben!

KN: Doch wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Spekulation mit Grund und Boden eingedämmt wird? Ist das Kärntner Grundverkehrsgesetz dafür überhaupt das geeignete Mittel?

Roman Linder: Grundsätzlich ist es das. Ein großes Problem ist allerdings, dass dieses Gesetz unserer Ansicht nach nicht in seinem eigentlichen Sinn gelebt wird. Man könnte aufgrund des derzeitigen Gesetzes die Bauern schon bevorzugt behandeln und damit große Flächen vor dem Zubetonieren schützen. Doch wird die Auslegung und Handhabung durch die Grundverkehrskommissionen in den einzelnen Bezirken leider
überall anders gelebt.

KN: Wie soll es mit der Änderung des Grundverkehrsgesetz weitergehen und was sind Ihre diesbezüglichen konkreten Forderungen?

Roman Linder: Erstens müssen die Vorschläge, die aus der Landwirtschaftskammer kommen, von der Landesregierung und vom Landtag ernstgenommen werden. Zweitens müssen die Änderungen im Gesetz darauf abzielen, dass auch wirklich die echten Landwirte davon profitieren, die unsere Lebensmittel produzieren und unsere Landschaft pflegen. Das muss unser aller Ziel sein, denn ein hoher Selbstversorgungsgrad an Lebensmitteln hat auch etwas mit Sicherheit für die eigene Bevölkerung zu tun. Diese Selbstversorgung wird aber bald nicht mehr gegeben sein, wenn wir weiter alles zubetonieren, nur um fetten Gewinnen nachzujagen.