Das legendäre Autotreffen am Wörthersee: Fluch oder Segen für Kärnten?
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Das legendäre Autotreffen am Wörthersee: Fluch oder Segen für Kärnten?

„GTI-Bürgermeister“ Adi Stark im Interview


Adi Stark ist Gendarmeriebeamter in Ruhe und war 18 Jahre erfolgreicher Bürgermeister der Gemeinde Maria Wörth sowie für die Freiheitlichen im Kärntner Landtag als Abgeordneter aktiv. In seiner Zeit als Bürgermeister erlebte das legendäre „GTI-Treffen“ seinen größten Aufschwung. Nachdem sein Nachfolger Markus Perdacher (ÖVP) die Agenden in der Gemeinde übernahm, begann der Abstieg des Autotreffens mit immer weniger Programm und Besuchern. Seit drei Jahren wird das offizielle „GTI-Treffen“, das sonst immer im Mai rund um Christi Himmelfahrt stattfand, nun gar nicht mehr durchgeführt. Die Kärntner Nachrichten haben Adi Stark daher zum Interview gebeten, um die Frage zu klären, ob das Treffen am Wörthersee ein Fluch oder Segen für Kärnten ist und wie er sich die Zukunft für dieses weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Event vorstellt.

KN: Herr Stark, Sie gelten allgemein als der Macher des „GTI-Treffens“ in Ihrer Heimatgemeinde Maria Wörth. Der Ort Refnitz und der Wörthersee sind seit Jahrzehnten als Mekka für alle Auto- und Tuningliebhaber bekannt. Wie haben sie die Anfangsjahre dieses internationalen Events erlebt und als „GTI-Bürgermeister“ aktiv mitgestaltet?

Adi Stark: Als neu gewählter Bürgermeister habe ich 1997 erstmals auch die Agenden des GTI-Treffens übernehmen müssen. Das Treffen wurde leider schon Jahre zuvor nicht mehr organisiert und daher kam es jährlich zu massiven Ausschreitungen. Es war mir als Bürgermeister ein großes Anliegen, dieses Treffen gut durchdacht zu organisieren, um unsere Touristiker und alle Gemeindebürger zufrieden zu stellen. Ich habe gemeinsam mit allen Fraktionen ein 12-Punkte-Programm erarbeitet und dieses wurde im Gemeinderat einstimmig beschlossen. Erstmals konnten wir wieder ein gut organisiertes Treffen durchführen und dadurch massive Ausschreitungen verhindern. Dem GTI-Treffen wurde erstmals Messecharakter verliehen und die Autofans wurden mit dem neuen Programm zu 100 Prozent zufrieden gestellt. Hand in Hand mit der Bezirkshauptmannschaft und Exekutive wurden zufriedenstellende Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Wir haben mit unserem neu erarbeiteten 12-Punkte-Programm bereits im ersten Jahr reüssiert.

KN: Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig von der ÖVP hat den GTI-Fans jetzt bereits mehrmals über die Medien ausgerichtet, dass diese in Kärnten nicht willkommen seien und sie als Rowdies und Rüpel bezeichnet. Was sagen Sie dazu, wenn ein Mitglied der Landesregierung solche Worte von sich gibt? Ist das „GTI-Treffen“ Fluch oder Segen für Kärnten?

Adi Stark: Die Aussagen des Landesrates sind für mich absolut inakzeptabel und beschämend zugleich. Eine primitive Aussage eines jungen Landesrates, der wahrscheinlich der ÖVP-Parteilinie treu bleiben muss. Seine Aussagen diffamieren tausende Idealisten und werten ein Event, dass vor wenigen Jahren noch mehr als 100.000 Besucher aus aller Welt an den Wörthersee gebracht hat, ab. Es gibt in der Vorsaison kein einziges vergleichbares Event, dass der gesamten Region eine Wertschöpfung von ca. 20 Mio. Euro bringt. Tausende Tuning-Fans freuen sich einfach nur, dass sie sich über ihr liebstes Hobby – das Tuning – austauschen können und halten sich auch an alle Regeln. So chaotisch viele Bilder auch anmuten mögen, sollte man vor einer Pauschalisierung aller GTI-Fans Abstand nehmen. Das sich einige von ihnen nicht an die Regeln halten ist sehr bedauerlich, aber trotzdem darf man nicht alle als Rowdies, Rüpel und vor allem schon gar nicht als „Wahnsinnige“ bezeichnen. Zur Frage „Fluch oder Segen“: ja, beides. Für die lärmgeplagten Anrainer war das Treffen wohl eher immer ein Fluch, für die gut gebuchten Hoteliers, sowie für die Gastronomie definitiv ein Segen.

KN: Heuer ist das dritte Jahr in dem das „GTI-Treffen“ nicht stattfindet. Zehntausende Autofans reisen aber trotzdem jedes Jahr an und weichen nun vermehrt auf andere Orte in der Region Wörthersee und Faaker See aus, was zu einigen Spannungen mit Anrainern und teilweise Überforderung der zuständigen Behörden führt, da es kein organisiertes Treffen gibt. Wie sehen Sie hier die Verantwortung Ihres Bürgermeisternachfolgers Markus Perdacher von der ÖVP?

Adi Stark: Ich sehe meinen Nachfolger voll in der Verantwortung. Jedoch kann und will ich, als ehemaliger „GTI-Bürgermeister“, meinem Nachfolger keine Ratschläge erteilen. Diese würden ohnehin auf taube Ohren stoßen, da auch der ÖVP-Bürgermeister seiner Parteilinie treu bleiben muss.

KN: Wie würden Sie vorgehen bzw. welche alternativen Ideen und Konzepte legen Sie den heute Verantwortlichen nahe, um dieses international bekannte Event und dessen Besucher in unserer Region zu halten? Immerhin sind die meistens sehr jungen Teilnehmer des „GTI-Treffens“ potenzielle Gäste der Zukunft für Kärnten, wenn diese vielleicht einmal selber Familien haben und hier ihren Familienurlaub verbringen möchten.

Adi Stark: Hätte man sich schon vor Jahren intensiv mit der Neuausrichtung des GTI-Treffens und mit präventiven Maßnahmen (umwelt- und klimafreundliche Maßnahmen) beschäftigt, würde die Durchführung des Treffens keinerlei Problematik bereiten. Natürlich habe ich einige gute Ideen, wie man das Treffen wieder attraktiver und umweltbewusst gestalten könnte. Das Treffen muss wieder professionell organisiert werden. Es ist ohnehin ein Selbstläufer und die Community aus ganz Europa organisiert sich über die sozialen Netzwerke. Daher müssten sich schon im Vorfeld alle Verantwortlichen an einen Tisch setzen und alle Wünsche kanalisieren, um so wieder in die Normalität zurückzukehren. Die Zukunft liegt in einem Miteinander. Unsere jungen Tuning-Freunde von heute, sind die potenziellen