Drautalbundesstraße B100: Umfahrung Greifenburg steht weiter in den Sternen
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Drautalbundesstraße B100: Umfahrung Greifenburg steht weiter in den Sternen

Das Obere Drautal ist ''das Durchzugstal'' schlechthin


Das Thema einer Umfahrung für Greifenburg begleitet die Oberkärntner bereits seit Jahrzehnten. Die Marktgemeinde Greifenburg befindet sich in der touristischen Region des Nationalparks Hohe Tauern. Eine Gemeinde, die von Landwirtschaft und Tourismus geprägt ist. Ein malerischer Natur-Badesee, der wie ein Magnet Leute aus nah und fern einlädt, ihre Zeit dort zu verbringen.

Das Obere Drautal ist aber auch „das Durchzugstal“ schlechthin. Sprichwörtlich die West-Ost Tangente in den Süden. Um das italienische Meer zu erreichen, wählen viele den kürzesten Weg. Dieser führt zumeist durch das Drautal. Wenig verwunderlich, dass die Wirtschaft und der Tourismus ein hohes Interesse an einer schnellen Verkehrsverbindung haben. Eine bereits mittels Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) geprüfte Umfahrung hat sich als die beste, aber auch die teurere Variante herauskristallisiert. Vermutlich mangelnder Mut der Politik hat dazu geführt, dass diese Variante nicht gebaut wurde. „Wir sind gezwungen, auf ein stetig steigendes Verkehrsaufkommen in unserem Tal zu reagieren. Eine Umfahrung ist aus meiner Sicht richtig und notwendig. Die momentane Situation ist der Bevölkerung nicht mehr zumutbar. Ich bin selbst Unternehmer und verstehe die Forderungen einiger Wirtschaftsbetriebe nach einer zeitgemäßen Verkehrslösung“, so Greifenburgs FPÖ-Chef und Gemeinderat Franz Mandl.

Die aktuelle Landesregierung hat in ihrem Programm die „B100 – Umfahrung Greifenburg“ budgetiert und möchte dies mit allen Mitteln auch durchpressen. Vermutlich vor dem drohenden Verlust einer Umfahrung hat man im Gemeinderat sogar einen einstimmigen Beschluss für eine Umfahrung erwirken können. Die betroffenen Grundstücksbesitzer der beiden Gemeinden beanstanden mangelnde Kommunikation von Seite des Landes. Obwohl dies vom zuständigen Straßenbaulandesrat Martin Gruber (ÖVP) stets über die „unabhängigen Printmedien in Kärnten“ vehement bestritten wird. Der Unmut ist verständlich, wenn man bedenkt, dass den Betroffenen Enteignung ihrer wertvollen Ackerflächen - ohne Ersatzflächen - und Entwertung von potenziellen Bauflächen ins Haus stehen. „Aber ich gebe zu bedenken, dass ein Jahrhundertprojekt wie dieses mit mehr Respekt der Natur gegenüber umgesetzt gehört. Die billigste Variante ist nicht die beste Lösung. Natur haben wir nur eine, wieviel ist sie uns wert? Sollte es nicht oberste Priorität der Politik sein, diese wunderschöne Landschaft zu erhalten? Siehe Schutz unserer Almen, Schutz der Seen, Verbot von Windrädern, Verhinderung von Chalet-Dörfern usw.“, fordert Mandl die Verantwortlichen zum Nachdenken auf.

Einer bereits UVP-geprüften Variante (Mehrkosten: rund 20 Mio. Euro) haben Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und der Naturschutz grünes Licht gegeben. Alle betroffenen Grundstücksbesitzer waren in die Entwicklung der geprüften Variante (UVP-Kosten rund 2 Mio. Euro ) mit eingebunden. Bedenklich ist der Umstand, dass bei einem Jahrhundertprojekt wie diesem, Mehrkosten von rund 20 Mio. Euro der ausschlaggebende Punkt für eine Trassenführung ist. Zieht man den Vergleich, was uns die Corona-Pandemie gekostet hat und noch kosten wird, und was die derzeitige Inflation an Unterstützung der Staatsbürger notwendig macht, ist es geradezu lächerlich, die anfallenden Mehrkosten für eine Unterflurtrasse als nicht finanzierbar zu bezeichnen.

Nachdem der Schutz unserer Almen von der rot-schwarzen Landesregierung als besonders wichtig empfunden wird, darf man sich die Frage stellen, ob diese Erkenntnis bis zum Schutz unseres wertvollen Bodens reicht, oder ob es genügt, die Interessen einiger weniger zufrieden zu stellen. Es gibt, wie bereits angesprochen, eine Umfahrungsvariante, die eine große Zustimmung in der Bevölkerung hätte. „Ich appelliere an die Landesregierung, im Sinne unserer Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Anrainer die beste und umweltverträglichste Lösung, die es aus bautechnischer Sicht gibt, umzusetzen. Wir sind das den nächsten Generationen schuldig. Die Bevölkerung wäre gesprächsbereit, ich lade Herrn Landesrat Gruber ein, sich endlich einem öffentlichen Diskurs zu stellen, um ein Gefühl für die Ängste und Bedenken der Einheimischen zu bekommen. Ihre Juristen können Sie zuhause lassen, hierbei geht es um echte Bürgernähe!“, so Franz Mandl abschließend.