''Geld wird für alles aus dem Fenster geworfen, doch in der Pflege wird gespart''
Eine betroffene Angehörige im Interview
Auf die kärntenweite September-Ausgabe der „Kärntner Nachrichten“ haben wir viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Unter anderem hat sich eine Spittalerin (Name der Redaktion bekannt) aufgrund des Berichtes „Neues Pflegemodell verspricht 1.000 Euro pro Monat für pflegende Angehörige“ bei uns gemeldet, die ihre Mutter pflegt und vom derzeitigen Pflegesystem mehr als enttäuscht ist. Daher haben wir sie um ein persönliches Interview gebeten.
KN: Frau T., Sie haben sich bei uns gemeldet, weil Sie den Bericht über das neue Pflegemodell für pflegende Angehörige gelesen haben, das die Freiheitlichen vorgeschlagen haben und in Kärnten einführen wollen. Was sagen Sie zu dieser Idee?
Frau T.: Der Inhalt klingt sehr gut und auch ich bin der Meinung, dass man ältere Menschen, solange es geht, zu Hause in den eigenen vier Wänden leben lassen soll. Dort fühlen sie sich wohl, kennen die Umgebung und haben eine bessere Lebensqualität. Daher begrüße ich die Idee von monatlich 1.000 Euro für pflegende Angehörige als Unterstützung für die Pflege daheim.
KN: Haben Sie bereits persönliche Erfahrungen mit Angehörigen in einem Pflegeheim gemacht und wenn ja, wie sehen diese aus?
Frau T.: Meine beiden Großmütter waren bis zum Ableben in Altenheimen untergebracht, und ich habe einiges mitbekommen betreffend die Versorgung der alten Menschen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es nicht einfach ist, einen alten Menschen zu pflegen, doch die Kosten für die Unterkunft in einem Altenheim sind sehr hoch und dann sollte zumindest die Unterbringung und Verpflegung passen. Bei einer meiner beiden Omas gab es im Zimmer nicht einmal warmes Wasser, obwohl wir das sehr oft beanstandet haben. Von der schlechten Qualität des Essens will ich erst gar nicht anfangen. Hier wurde der Profit des Betreibers über die Würde des Menschen gestellt.
KN: Sie haben uns auch von Ihrer Mutter geschrieben, welche Sie selbst zuhause betreuen. Wie ist sie vom derzeitigen Pflegesystem, das Sie kritisieren, betroffen?
Frau T.: Nun ist meine Mutter 79 Jahre alt und wir haben vor einiger Zeit die Pflegestufe drei beantragt, da sie einen Schlaganfall hatte, der Gott sei Dank gut ausgegangen ist. Der Antrag wurde allerdings abgelehnt, dann haben wir das über die Arbeiterkammer eingeklagt und er wurde ebenfalls abgelehnt. Außer Spesen nichts gewesen! Meine Mutter leidet durch den Schlaganfall und durch die ganze Corona-Situation samt Impfung unter Drehschwindel und bekommt auch sehr schwer Luft, doch das reicht für die dritte Pflegestufe anscheinend nicht aus. Ich bin zuhause und kann ihr so gut es geht bei allen Tätigkeiten, die ihr schwerfallen, helfen.
KN: Was fordern Sie von den verantwortlichen Politikern, um die Pflegesituation in Kärnten deutlich zu verbessern?
Frau T.: Das neue Pflegemodell, welches die FPÖ vorschlägt, würde ich sehr begrüßen. Sollte es jemals aktuell werden, wären sicher auch viele andere Betroffene sehr erfreut darüber. Denn als Privatperson bekommt man so gut wie gar keine Unterstützung für die Pflege der eigenen Angehörigen, und man steht wirklich oft allein da. Für alles hat man Geld. Es wird für alles aus dem Fenster geworfen, doch in der Pflege wird gespart, wo es nur geht.