Landwirtschaftsministerin fordert mehr Leistung von Bauern: für weniger Geld
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Landwirtschaftsministerin fordert mehr Leistung von Bauern: für weniger Geld

Die Kärntner Nachrichten haben daher den Vizepräsidenten der Kärntner Landwirtschaftskammer zum Interview gebeten


Im Gegenzug zur harschen Forderung der ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger gibt es weniger finanzielle Unterstützung für die heimischen Landwirte aus dem Topf „Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)“. Die Kärntner Nachrichten haben daher den freiheitlichen Vizepräsidenten der Kärntner Landwirtschaftskammer, Manfred Muhr, zum kurzen Interview gebeten.

KN: Herr Muhr, Sie sind selbst aktiver Bio-Landwirt und seit über 15 Jahren in der Agrarpolitik tätig. Was sagen Sie zur Forderung nach mehr Leistung der heimischen Landwirte durch die Landwirtschaftsministerin?

Muhr: Der Bauernstand ist offensichtlich der einzige Berufstand, der mehr Leistung bei weniger Einkommen erbringen soll. Wir werden uns das so nicht mehr gefallen lassen. Wir haben daher bereits in der LK-Vollversammlung mittels Antrags gefordert, dass die Ausgleichszahlungen mittels Inflationsausgleich angepasst und zukünftig fortgeschrieben werden. Weiters haben wir die Forderung aufgestellt, dass ökologische Mehrleistungen auch tatsächlich abgegolten werden müssen. Diese Anträge wurden von der Bauernbund Mehrheit abgelehnt! Der Parteizwang wiegt hier offensichtlich mehr als das Interesse, die Bauern zu vertreten. Aus diesem Grund haben wir zum Thema „GAP 2023+“ eine Sonder-Vollversammlung einberufen. Diese wird am 18.02.2022 stattfinden und hier werden wir unsere Forderungen nochmals einbringen.

KN: Nun soll es laut Ankündigungen weniger finanzielle Mittel für die heimischen Bauern aus der sogenannten „GAP“ geben. Wie soll so auf Dauer das Überleben der Landwirtschaft in unserem Land sichergestellt werden?

Muhr: Tatsache ist, dass die Landwirtschaftsministerin und die Bauernbund-Funktionäre offensichtlich in einem Paralleluniversum leben. Ansonsten ist es nicht zu erklären, dass wir zukünftig mehr Flächen aus der Produktion nehmen sollen und gleichzeitig immer mehr auf Importe aus Übersee angewiesen sind. Es geht bei der GAP nicht nur mehr um das Überleben der heimischen Landwirtschaft, sondern auch darum, eine Lebensmittelkrise abzuwenden. Daher müssen die heimischen Landwirte auch mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet und den heimischen Mutterkuhhaltern eine Perspektive angeboten werden. Davon ist im bisherigen Entwurf leider nichts zu finden.

KN: Was wollen Sie und Ihr Team der Freiheitlichen und Unabhängigen Bauernschaft in der Kärntner Landwirtschaftskammer tun, um die Situation der heimischen Bauern zu verbessern?

Muhr: Der Bauernstand braucht wieder eine starke Stimme in den einzelnen Gremien. Unser Team besteht aus aktiven und motivierten Bäuerinnen und Bauern, die jeden Tag auf ihren Höfen ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Wir haben uns für die Zukunft des Bauernstandes auf drei Themenschwerpunkte festgelegt: Einkommen sichern, Rechte stärken, Eigentum schützen. Zu all diesen Themen haben wir bereits Anträge eingebracht und werden auch in Zukunft nicht lockerlassen. Ein wichtiger Punkt für die Zukunft wird sein, den Ausverkauf der Heimat zu verhindern. Daher haben wir bereits zum zweiten Mal eine Verschärfung des Grundverkehrsgesetzes gefordert, um hier die Rechte der aktiven Bauern zu stärken. Denn Bauernland muss in Bauernhand bleiben!